Brasilien - einige Realitäten

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Brasilien - einige Realitäten

Brasilianische Kontraste


Die intensive Entwicklung des Landes in den letzten Jahren hat die Schaffung von Infrastrukturen im Bereich des Transportes, der Energieproduktion, der Kommunikation und in der Industrie ermöglicht, aber leider hat mehrheitlich nur der Süden des Landes davon profitiert.


Nur gerade 40% der brasilianischen Arbeiter haben eine Primarschule besucht, 30% sind praktisch Analphabeten und die restlichen 30% sind nicht dazu in der Lage, sich schriftlich auszudrücken oder Texte zu verstehen.


Die soziale Ordnung des Landes erlaubt es nicht, Reichtümer des Landes genügend auszunützen; im übrigen sind sie sehr ungerecht verteilt. Brasilien als erster Zucker- und zweiter Kakao- und Sojaproduzent der Welt hat sich auf Monokulturen verlegt und steuert deswegen geradewegs auf eine ökologische und eine Umweltkatastrophe zu. Die Reichen des Landes sind zu wenig produktiv und nur auf den Erhalt ihrer Reichtümer ausgerichtet. Viele Universitäten genügen in keiner Weise den heutigen Anforderungen und Qualifikationen. So ist die brasilianische Ästhetik-Chirurgie Weltspitze, aber die Mehrheit der Bevölkerung ist medizinisch nur schlecht bis gar nicht versorgt. Die Spitzeningenieure richten sich nach westlichen Technologien und überlassen es den Kirchen und der Entwicklungshilfe, die Dörfer zu modernisieren. Das Gesetz des Stärkeren führt zur Passivität der Bevölkerung nach dem Sprichwort "povo sofrido mas paciente" (das Volk leidet in Geduld).


Die Misere der brasilianischen Kinder ist eine direkte Folge dieser sozialen Ordnung. Viele Familienväter kinderreicher Familien kommen ihren Pflichten nicht nach und die Mütter müssen sich irgendwie durchschlagen. Sieben Millionen leben landesweit in der Strasse, drei Millionen arbeiten, um ihren Unterhaltsbeitrag an die Familie zu leisten; zwei Millionen unter 15 Jahren prostituieren sich: das sind keine Sensationsziffern aus der Boulevardpresse - das ist brasilianische Realität! Ein Drittel der Bevölkerung lebt in sog. "Favelas", den Armenvierteln. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass nur gerade 20% der Kinder im Schulalter (zwischen 7 und 14 Jahren) die volle Grundschulzeit absolvieren. Schwarze Kinder besuchen die Grundschule im Mittel nur gerade während 3.3 Jahren.


Viele Kinder entziehen sich dem Schulsystem, um als Strassenverkäufer, Schuhputzer und Zeitungsverteiler einen Beitrag an den Familienunterhalt zu leisten. Die Situation ist in der Landwirtschaft noch viel schlimmer. Fünf bis vierzehnjährige Kinder arbeiten dort bis zu 12 Stunden täglich in Orangen-, Baumwoll-, Sisal- und Zuckerrohr-Plantagen. Dies zu einem lächerlich geringen, manchmal auch zu gar keinem Lohn!


Die fehlende Schulbildung hat zur Folge, dass diese Kinder ihr ganzes Leben als billige Arbeitskraft fristen müssen oder in die Kriminalität abtauchen.